Mit der Kriegserklärung von Österreich-Ungarn an Serbien beginnt am 28. Juli 1914 der Erste Weltkrieg. Was als lokaler Konflikt auf dem Balkan beginnt, weitet sich rasch zu einem globalen Krieg aus. An der Marne östlich von Paris entwickelt sich ein Grabenkrieg, der schon im ersten Kriegsjahr Hunderttausende von Toten fordert.

Mit Kriegsbeginn verlassen Tausende von Menschen die Schweiz und kehren in ihre Heimat zurück. Der Bundesrat geht von einer kurzen Kriegsdauer aus, entsprechend schlecht sind die kriegswirtschaftlichen Vorkehrungen. Zwischen dem 3. und 7. August 1914 rücken 220‘000 Mann und 45‘000 Pferde ein. Die Mobilmachung hat tief greifende Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft zur Folge. Den wirtschaftlichen und sozialen Aspekten der Mobilmachung schenkt man zunächst jedoch kaum Beachtung.

Vertiefende Informationen in den diplomatischen Dokumenten der Zeit finden Sie hier

Mobilisierung und Grenzbesetzung

Mit Kriegsbeginn werden die Grenzen geschlossen. Tausende von Menschen verlassen die Schweiz und kehren in ihre Heimat zurück. Auf den Strassen wimmelt es von Reisenden und Soldaten.

Rund 200’000 Ausländer kehren zu Beginn des Krieges in ihre Heimatländer zurück, was zu chaotischen Zuständen in Zügen und Grenzbahnhöfen führt und die Schweizer Wirtschaft vor erhebliche Probleme stellt. Bereits damals ist die Wirtschaft auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen. Die Rückwanderer melden sich als Freiwillige oder werden einberufen. Andere kehren heim, um nicht als Deserteure zu gelten. Vorerst versucht der Bundesrat, den Personenverkehr offen zu halten. Private Auslandsreisen sind nach Kriegsausbruch jedoch mühsam. Ab 1915 verschärft die Schweiz ihre Kontrollen. Die Grenzen bleiben bis 1917 aber grundsätzlich offen, sodass etliche Ausländer in die Schweiz gelangen. Zu ihnen zählen neben Dienstverweigerern und Pazifisten, Künstlern, Intellektuellen oder politischen Aktivisten auch Juden aus Osteuropa, die zunehmend Ziel antisemitischer Spitzen werden.

Urner Bataillon 87 beim Telldenkmal in Altdorf, 16. Mai 1915 (Staatsarchiv Uri, Altdorf, Michael Aschwanden)

Sympathien und Widerstreit

Der Bundesrat lässt sich zu Beginn des Krieges vom Parlament ausserordentliche, von der Verfassung nicht gedeckte Vollmachten geben. Nur zwei sozialdemokratische Nationalräte enthalten sich der Stimme. Der «Burgfrieden» zwischen Bürgerlichen und Linken wird jedoch schon nach wenigen Monaten brüchig. Die Linke lehnt das Budget 1914 ab und geht zusehends auf Distanz zum Bundesrat, der von seinen Vollmachten zunehmend Gebrauch macht, je länger der Krieg andauert. Bis Kriegsende erlässt er über 1000 Notverordnungen, die in alle Bereiche des Lebens eingreifen. 1917 kündigen die Sozialdemokraten den Burgfrieden definitiv auf. Treibende Kraft dabei ist Robert Grimm.

Propaganda und der Wille zur Einigkeit

Die Mittelmächte und die Entente nutzen die Kriegspropaganda und die damit verbundene Beeinflussung wie nie zuvor in einem militärischen Konflikt. Neben Plakaten, Flugblättern, Zeitungen und der Literatur werden erstmals auch Filme zu Propagandazwecken eingesetzt. Für die Krieg führenden Staaten bildet die neutrale Schweiz ein Experimentierfeld zur Erprobung ihrer Propaganda. Damit der Graben zwischen den Sprachregionen nicht tiefer wird, versucht der Bundesrat, die oft äusserst beleidigende ausländische Propaganda einzuschränken. Verschiedene Schweizer Intellektuelle setzen sich für einen helvetischen Standpunkt ein, der Sprachbarrieren und unterschiedliche Sympathien zu überwinden sucht.

Viele Deutschschweizer haben vor 1914 Kontakte nach Deutschland gepflegt, sind verwandtschaftlich mit dem Nachbarland verbunden, haben an deutschen Universitäten studiert oder orientieren sich an der «deutschen Kultur». Viele von ihnen sympathisieren daher mit den Mittelmächten.

Die Westschweizer sind stark nach Frankreich ausgerichtet und lassen sich von der französischen «civilisation» und dem französischen Republikanismus inspirieren. Entsprechend sympathisiert die französischsprachige Schweiz fast geschlossen für die Entente. Von Westschweizer Intellektuellen gehen aber auch Impulse aus, um den Graben zwischen den Sprachregionen zu überwinden.

Hinweise:

-Auf der Webseite 14-18 finden sich eine Vielzahl an gut dokumentierten Postkarten.

-Die Ausstellung "Im Feuer der Propaganda" (21. August bis 9. November 2014) der Nationalbibliothek und des Museums für Kommunikation widmet sich dem Propagandakrieg in der Schweiz

- Das Buch von Christine Odermatt "Dieser Krieg ist uns zum Heil" zeigt den "Krieg der Worte" in den Beständen der Museumsgesellschaft Zürich.

Nebelspalter 10.11.1917 (Zentralbibliothek, Zürich)

Blick ins Ausland 1915